Musterdepots für Stiftungen

Auf dieser Seite finden Stiftungen aller Größen Musterdepots. Die Redaktion von Renditewerk hat diese Depots zusammengestellt. Sie sollen Stiftungen Orientierung und Anstoß sein.

Die Musterdepots sind nach Vermögensgröße, Risikoneigung und Aktivitätsgrad der Stiftungen geordnet.

Dabei entscheidet die Größe der Stiftungsvermögen darüber, wie weit das Portfolio diversifiziert wird, welche Anlageklassen in Frage kommen und ob strukturierte Produkte oder Einzelwerte gehalten werden sollten.

Das Kriterium der Risikoneigung der Stiftungen muss aus unserer Sicht dringend ergänzt werden. Das wird hier zum ersten Mal versucht. Insbesondere gilt, dass die übliche Gleichsetzung von Schwankungsgröße und Risiko für auf Ewigkeit angelegte Vermögen in Frage gestellt wird. Für sehr langfristig orientierte Anleger geht es nicht um zwischenzeitliche Schwankungen, sondern um das Risiko historischer Katastrophen, die zu einem endgültigen Vermögensverlust führen könnten. In diesem Sinne gilt es für Stiftungen, die Auswirkungen von Kriegen, von Hyperinflationen, Staatsbankrotten und Währungsreformen sowie von Betrug zu überstehen, nicht aber darum, inhärente Schwankungen etwa von Aktien per se auszuschließen. Im Hinblick darauf verkehrt sich manche bisherige Selbstverständlichkeit in Abhängigkeit zur Liquiditätsvorliebe oder dem Aktivitätsgrad. Für passive Stiftungen ist eine Nominalwertorientierung (sprich das Halten von Anleihen oder Termingeldern) demnach eine höchst riskante Anlageform, die in jedem Jahrhundert zu einem oder mehreren Totalverlusten geführt hat, während unternehmerische Beteiligungen und Immobilienbesitz das langfristige Überleben solcher Stiftungen eher gesichert haben. Prototypisch dürften eher kleinere Stiftungen nicht über die Ressourcen und die Kenntnisse verfügen, um die Märkte laufend zu scannen. Deswegen dürfte auch die Neigung, eher in liquide Titel zu investieren nicht besonders ausgeprägt sein. Der Performance dürfte dieser Reaktionsmangel indes nicht schaden. Dass Stiftungen wie die Bosch-Stiftung oder die VW-Stiftung einen großen Teil ihres Vermögens in einem einzigen Unternehmen halten müssen, hat jedenfalls dem Erfolg der beiden nicht im Wege gestanden.

Uns ist bewusst, dass Stiftungen, die unseren Argumenten folgen, künftig größere Schwankungen durchleben müssen. Aber erstens dürfte das der mittel- und langfristigen Performance (und damit dem Stiftungszweck) eher gut tun. Und zweitens hat der Gesetzgeber mit der offiziellen Aufnahme der sogenannten „Business Judgement Rule“ in die bundeseinheitliche Stiftungsrahmengesetzgebung den Weg geebnet, um vernünftig begründbare Strategien, die größere Wertschwankungen beinhalten, zuzulassen. In dem Zusammenhang verliert auch ein Argument für Anleihen an Bedeutung. Mit der neuen Gesetzgebung ist es nämlich auch einfacher, Kursgewinne (statt ordentlicher Erträge) für den Stiftungszweck einzusetzen.

Passive sicherheitsorientierte Stiftungen

Für passive, sicherheitsorientierte Stiftungen gilt es, eine Anlage zu komponieren, die eher realwertorientiert ist, je nach Risikovorliebe Klumpenrisiken vermeidet und damit das Risiko eines Totalverlustes weitgehend minimiert. Stiftungen, die in diesem Sinne etwa breitgestreute Aktien-ETFs und Immobilienfonds kaufen, brauchen danach wenig laufende professionelle Betreuung. Zwar ist mit deutlichen Wertschwankungen zu rechnen, aber die Katastrophenanfälligkeit dürfte langfristig wesentlich geringer als die von Anleihen sein. Wir schätzen, dass eine solche Charakterisierung am ehesten für kleinere und mittlere Stiftungen zutrifft, die nicht über die Kapazitäten und den Willen verfügen, ihre Kapitalanlagen dauernd im Blick zu haben. Denen wurde bislang (auch von uns) häufig zu defensiven Mischfonds (darunter den sogenannten Stiftungsfonds) geraten, die prototypisch mindestens 70 Prozent des Vermögens in Anleihen investieren müssen. Wir glauben nicht mehr daran, dass eine solch hohe Anleihenquote für Stiftungen gesund ist und raten ganz allgemein dazu, das Stiftungsvermögen auf Stiftungsfonds und andere eher realwertorientierte Produkte aufzuteilen oder einen flexiblen Mischfonds zu wählen, der nicht gezwungen ist, eine hohe Anleihenquote zu halten.

Passive, spekulativ orientierte Stiftungen

Für spekulativ orientierte passive Stiftungen empfehlen wir strategische unternehmerische Beteiligungen und Investments in Einzel-Immobilien. Für kleinere Stiftungen kommen vielleicht Solarparks, aktive Branchen-Fonds, Private Equity-Fonds oder auch aktive Multi Asset Konzeptionen in Frage. Sinn macht aus unserer Sicht auch die Beauftragung eines Vermögensverwalters, bei dem allerdings die Formulierung des Verwaltungsauftrages eine entscheidende Rolle spielt.

Aktive Stiftungen

Wenn Stiftungen sehr aktiv sind, also gleichzeitig langfristig (Vermögenserhalt) und kurzfristig (Reaktionsmöglichkeit) orientiert sind, dann ähnelt ihr Anlageprofil insgesamt wohl dem sogenannter institutioneller Anleger. Als institutionelle Anleger werden die hochprofessionellen Verwalter großer und riesiger Finanzvermögen verstanden, die unter erheblichen anlagetechnischen Restriktionen (Wertschwankungen + Auszahlungsanforderungen) stehen. Das Hauptcharakteristikum dieses Anlegertypus: Der sichere Hafen ist Liquidität, denn nur Liquidität verspricht jederzeitige Handlungsfähigkeit zu akzeptablen Kosten. Am ehesten dürften professionell verwaltete größere Stiftungen diesem Anlegertypus entsprechen. Ob allerdings die Vorliebe für Liquidität auch den Erträgen zu Gute kommt, muss bezweifelt werden, denn in aller Regel fallen (die monetären) Erträge von Anlagen umso geringer aus, je höher deren Liquidität ist. Übrigens haben das große Familienvermögen, die professionell aber mit einer nur geringen Liquiditätspräferenz gemanagt werden, wohl verstanden. Sie investieren häufig gerade in illiquide Investments (z.B. in vorbörsliche Beteiligungen oder Private Equity), die aber genau deswegen mehr Ertrag versprechen.

Aktive, sicherheitsorientierte Stiftungen

Aktive sicherheitsorientierte Stiftungen ähneln von ihrem Profil wohl am ehesten den institutionellen Anlegern. Sie wollen keine kurz- und mittelfristigen Schwankungen ihrer Vermögen und achten darauf, immer reaktionsfähig also liquide zu sein. Entsprechend investieren sie gerne einen Großteil des Vermögens in schwankungsarmen börsengehandelten Anleihen und mischen dazu bestenfalls einen kleinen Anteil schwankungsintensiverer Aktien. Diesen Anlegertypus hatte wohl auch der Gesetzgeber im Blick, als er 1. die Stiftungen auf den kurzfristigen Werterhalt ihrer Vermögen verpflichtete und die Stiftungszweckerfüllung aus den sogenannten ordentlichen Erträgen erfüllt sehen wollte. An diesen Anlegertypus richten sich auch die sogenannten Stiftungsfonds mit ihrer Mindestanleihenquote von 70 Prozent und der Fokussierung auf regelmäßige Ausschüttungen. Seit einigen Jahren werden auch sogenannte Absolute Return-Konzepte, bei den von feste Risikobudgets ausgegangen wird, angewandt. Jünger sind noch Kombinationen von Aktienanlagen und Options-Prämienstrategien.

Gegen diese traditionelle Stiftungstypisierung ist einiges einzuwenden. 1. Sollte man sich bewusst sein, dass Liquiditäts- und Sicherheitsvorliebe einen Preis hat, nämlich Performance. Zuletzt wurde das anhand der Ertragslosigkeit von Anleihen erschreckend illustriert. 2. ist die gegenwärtige Marktphase mit steigenden Zinsen für eine anleihenfokussierte Strategie denkbar ungünstig und wird es wohl auch noch einige Jahre bleiben. 3. Ist zu bedenken, dass die Minimierung von kurz- und mittelfristigen Schwankungen der Investments die historische Katastrophengefahr nicht beseitigt. Einmalige historische Ereignisse, wie die oben erwähnten Krisen treffen 4. besonders die Investments, die kurz- und mittelfristig als schwankungsarm und liquide gelten, also Anleihen und Cash. 5. scheint der Gesetzgeber sich dessen bewusst zu sein, dem Stiftungssektor mehr Anlagespielraum (über die Bundesanleihe hinaus) geben zu müssen. Deswegen ist es jetzt noch einfacher, Kursgewinne für den Stiftungszweck einzusetzen. Die Fixierung auf ordentliche Erträge und Ausschüttungen ist so gut wie obsolet, auch wenn im Alltag noch viele Stiftungen daran festhalten.

Aktive spekulativ orientierte Stiftungen

Stiftungen, die auf Liquidität wert legen, aber Risikoprämien und sogenannte Alphas vereinnahmen möchten, suchen nach börsengehandelten spekulativen Anlagen. Typisch sind die sogenannten Multi-Asset-Strategien amerikanischer Elite-Universitäten, die enorm hohe mittelfristige Erträge vorweisen können bei allerdings ebenfalls ungewöhnlich hohen Jahresverlusten – im hiesigen Maßstab. Aktiv gemanagte Aktienfonds, Anleihen, die unterhalb der hochsicheren Investment Grade Einstufung geratet werden, gehören in diese Konzepte. Selbst spekulative, das heißt nicht zur Sicherung, sondern zur Vermögensvermehrung eingesetzte Derivate sind denkbar. Selbstverständlich können auch offensive Vermögensverwaltungsmandate vergeben werden. Voraussetzung ist dabei vor allem, dass die Entscheider über die Expertise verfügen, die für das richtige Handlung solcher Investments unabdingbar ist.

Sonstiges

Neben der Anlegercharakteristik wurde wieder versucht, verschiedene Themen, die für Stiftungen bedeutsam sind, zu berücksichtigen. Zuerst fällt einem da das Thema Nachhaltigkeit ein. Erstens wurde der Tatsache Rechnung getragen, dass immer mehr Stiftungen angesichts niedriger und niedrigster Zinsen Wert auf eine nachhaltige Kapitalanlage legen, um wenigstens auf diese Weise dem Stiftungszweck zu dienen. 2. stellt sich aber auch immer stärker die Frage, mit welchen Investments die Welt tatsächlich nachhaltiger wird und welche eher keine Wirkung haben.

Für viele Stiftungen sind außerdem immer noch Kapitalanlagen reizvoll, die regelmäßig eine Ausschüttung vornehmen. Auch darauf wurde deswegen Rücksicht genommen.

Wir bemühten uns auch, die steuerlichen Folgen im Auge zu haben. Seitdem immer mehr Fonds sogenannte Stiftungstranchen anbieten, bei denen kein Steuervorabzug von (deutschen) Erträgen vorgenommen wird, wachsen die diesbezüglichen Möglichkeiten.

Bitte beachten Sie insbesondere die Wertpapierkennnummern der Fonds. Ein Fonds hat meist unterschiedliche Anlageklassen, eher teure für Kleinanleger und günstigere für größere Anleger. Wir haben, wo immer möglich, die günstigeren Tranchen der verschiedenen Fonds aufgeführt. Insofern ist es wichtig, diese Tranchen zu erwerben (und nicht etwa die teuren Kleinanleger-Klassen, die Fondsgesellschaften lieber anbieten).

Die hier dargestellten und beschriebenen Musterdepots für Stiftungen sind nach bestem Wissen und Gewissen gefertigt. Trotz der Mühen wird keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben übernommen. Die Depots stellen ausdrücklich keine Kaufempfehlungen dar. Vor einer Investition sollten sich Stiftungen unbedingt beraten lassen und insbesondere über die Risiken der einzelnen Anlagen weitere Informationen einholen. Mit einigen der Anbieter bestehen oder bestanden geschäftliche Beziehungen (zum Beispiel Anzeigen im Magazin).

Kleine Stiftungen: Stiftungen deren frei anlegbares Vermögen weniger als 500.000 Euro betragen.

Mittlere Stiftungen: Stiftungen, deren frei anlegbares Vermögen zwischen 500.000 Euro und 5.000.000 Millionen Euro betragen.

Größere Stiftungen: Stiftungen deren Vermögen über 5.000.000 Millionen Euro betragen.

Ertragsspanne: Als Ertragsspanne werden die jährlichen möglichen maximalen (Verluste) und maximalen Erträge betrachtet. Dabei wird von nichtkatastrophalen Umständen ausgegangen. Die Schätzungen zur Ertragsspanne orientieren sich an vergangenen Erträgen, beinhalten aber auch andere Kalküle wie das Abschneiden vergleichbarer Produkte oder die Berücksichtigung des besonderen historischen Marktumfeldes etc.. Der Schätzung liegt das Gebot der Vorsicht zugrunde.

Durchschnittlich jährlicher Ertrag: Für die Schätzung des durchschnittlichen jährlichen Ertrages sind in der Regel die Ergebnisse der vergangenen fünf Jahre zur Basis genommen worden. Es wurde auch, insbesondere bei Zinsen, das außergewöhnliche Umfeld der vergangenen Jahre berücksichtigt.

Bitte beachten: Alle Kennziffern beruhen auf subjektiven Schätzungen. Für deren Richtigkeit kann keine Gewähr übernommen werden. Die Musterdepots ersetzen keine Beratung.

Zu den Musterdepots für kleinere Stiftungen (Vermögen: <500.000 Euro).

Zu den Musterdepots für mittelgroße Stiftungen (Vermögen: 500.000 bis 5 Mio. Euro.

Zu den Musterdepots für große Stiftungen (Vermögen > 5 Mio. Euro).