Euro Anleihen 2026

Dr. Veronika Herzberger, Head of Fixed Income Solutions,Commerzbank Vermögensverwaltung

Über ein Jahrzehnt lang waren die Kapitalmärkte von niedrigen oder sogar Nullzinsen, expansiver Geldpolitik und einer beispiellosen Jagd nach Rendite geprägt. Für Anleiheinvestoren bedeutete das in der Vergangenheit: Real negative Renditen, kaum Kompensation für Laufzeitrisiken und eine liquiditätsgetriebene Rallye bei Risikoassets. Dieses Bild hat sich grundlegend verändert. Trotz Inflation sind die Realrenditen von Unternehmens- und Staatsanleihen in Europa aktuell wieder positiv (Abb. 1).

Abb. 1: Realrenditen wieder positiv

Quelle: Bloomberg LP, Commerzbank, 25.11.2025; Chart: Bloomberg Euro Corporate Index, Bloomberg Euro Government Index

Dabei ist die Verzinsung von bonitätsstarken europäischen Staats- und Unternehmensanleihen auch im direkten Vergleich zu anderen Assetklassen wie europäische Dividendentiteln oder Immobilien wieder attraktiv. Anleihen bieten mittlerweile wieder eine Verzinsung auf Niveaus, die zuletzt vor der Finanzkrise 2008 üblich waren – ein Paradigmenwechsel, der Investoren neue Freiräume eröffnet. Stiftungen sind hier ein gutes Beispiel. Im Vergleich zum Niedrigzinsumfeld sind die Zinserträge für die Förderzwecke bei Einstiegskursen um pari nun wieder deutlich höher (Abb. 2).

Abb. 2: Nominalrenditen können mit Dividendenrenditen mithalten

Quelle: Bloomberg LP, Commerzbank, 25.11.2025; Chart: Bloomberg Euro Corporate Index, Bloomberg Euro Government Index, Euro STOXX 50

Kaum ein anderer Markt hat sich seit 2020 so stark verändert wie der Anleihemarkt. Geopolitische Schocks, pandemiebedingte Ausgabenprogramme und der abrupte Zinsanstieg haben Spuren hinterlassen – bei Staaten ebenso wie bei Unternehmen. Während staatliche Verschuldung deutlich zunahm, reagierten Unternehmen mit Bilanzdisziplin und robustem Finanzierungsverhalten. Das Ergebnis ist bemerkenswert: Die Verschuldungskennzahlen der Unternehmen sind rückläufig, Gewinne und Einnahmen sind robust. Die Kreditqualität europäischer Unternehmen– auch sichtbar am Ratingtrend der großen Ratingagenturen- hat sich in den letzten Jahren spürbar verbessert. Herabstufungsserien, wie sie vergangene Zyklen geprägt haben, sind hingegen weitgehend ausgeblieben.

Auf Investorenseite spiegelt sich dieses Vertrauen wider. Die Nachfrage nach Euro Unternehmensanleihen ist ungebrochen, die Neuemissionsvolumina liegen auf historischen Rekordständen. Die Märkte absorbieren das Angebot problemlos. Die Frage liegt daher nahe: Entwickelt sich der Unternehmensanleihemarkt gerade zu einem neuen Safe Haven?

Ein Blick auf die Risikoaufschläge unterstützt diese These. Der Vergleich zwischen Anleihen von Einzelstaaten und großen europäischen Unternehmen fällt mittlerweile häufig zugunsten der Unternehmen aus, wie z.B. beim französischen Luxuskonzern LVMH (Moët Hennessy – Louis Vuitton SE), der sich derzeit günstiger refinanzieren kann als der französische Staat (Abb. 3).

Abb. 3: Frankreich: Unternehmen (Beispiel LVMH) finanzieren sich aktuell günstiger als der Staat

Quelle: Bloomberg LP, Commerzbank, 25.11.2025

Die Risikoaufschläge der Unternehmen sind gegenüber Staatsanleihen auf geringen Niveaus.  Die Ursache dafür liegt vor allem auch in der Neubewertung von Staatsrisiken. Während sich die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen zu Staatsanleihen auf historischem Tiefstand bewegen, zeigt sich dieses Bild bei den Risikoaufschlägen zum Referenzzins am Swapmarkt nicht. Dieser Zins (Swapsatz) gilt als „saubere“ Benchmark, weil er näher an echten Finanzierungskosten der Banken liegt, weniger durch Staatshaushalte oder politische Risiken verzerrt ist und damit international vergleichbarer ist.

Während der Verschuldungstrend der Unternehmen in der Tendenz rückläufig ist, sehen wir in Europa einen Anstieg der Verschuldung der Staaten, was insbesondere durch höhere Staatsausgaben begründet ist. Zusätzlich erhöht sich das Angebot von Schuldverschreibungen europäischer öffentlicher Emittenten, wie beispielsweise der EU. Auch außerhalb von Europa sehen wir diese Tendenz; so werden die USA im Jahr 2026 historisch hohe Treasury-Volumina emittieren. Bringt das im Jahr 2026 daher unweigerlich weiteren Druck auf die Anleihemärkte (Abb. 4)?

Die Erfahrung zeigt: Höhere Staatsverschuldung führt langfristig nicht zwingend zu höheren Renditeniveaus. Stärkere Treiber als das Level der Staatsverschuldung sind Faktoren wie Wachstumsperspektiven, politische Stabilität sowie glaubwürdige Fiskal- und Geldpolitik. Darüber hinaus spiegeln nominale Renditen vor allem Inflationserwartungen wider, die aufgrund von Wachstumsperspektiven, demografischer Entwicklungen und Stabilität der europäischen Institutionen weiterhin niedrig sind. 

Abb. 4: Langfristbetrachtung von Zinsniveau und Staatsverschuldung (USA)

Quelle: Bloomberg LP, IMF, Commerzbank, 25.11.2025

Fazit:

Staats- und Unternehmensanleihen bieten wieder Renditen, die nicht nur für Kaufkrafterhalt sorgen, sondern auch wettbewerbsfähig im Vergleich zu anderen Assetklassen sind. Die Fundamentaldaten im Corporate-Segment sind stark. Gleichzeitig bewegen sich Staatsverschuldung und Emissionsvolumina auf Rekordniveaus, ohne dass dies zwangsläufig zu dauerhaft höheren Renditen führen muss. Die Eurozone präsentiert sich stabiler, politisch weniger fragil und makroökonomisch robuster als vielfach angenommen. Vor diesem Hintergrund spricht vieles dafür, dass Unternehmensanleihen bonitätsstarker Emittenten zunehmend die Rolle eines neuen Safe Haven einnehmen können – insbesondere für langfristig orientierte Anleger, die stabile Erträge, niedrige Volatilität und solide Fundamentaldaten schätzen.

Die Commerzbank Vermögensverwaltung stellt Investoren Lösungen im Bereich Unternehmens- und Staatsanleihen bereit und bringt dabei ihre langjährige Expertise in diesen Segmenten ein. Anleihen sind ein zentraler Bestandteil des diskretionären Mandatsgeschäfts sowie auch der Commerzbank Stiftungsfonds. Im Mai hat die Commerzbank zudem zwei institutionelle Publikumsfonds aufgelegt: den „CBK Corporate Bond Selection“, der sich auf Unternehmensanleihen konzentriert, und den „CBK Sovereign Plus Bond Selection“, der für Staatsanleihen konzipiert ist. Mit diesen Fonds erweitert die Bank ihr Angebot und unterstreicht ihre Fachkompetenz im Anleihebereich.